Der Kleine Vogel und das Glück
Der Winter zog ein ins Land. Die Stare sahen die Zeit gekommen, gen Süden zu ziehen.
Ein junger Vogel, der den Wandel der Jahreszeiten noch nicht kannte flog nicht mit. Die Hecken und Wiesen boten noch ausreichend Nahrung und es war auch noch nicht sonderlich kalt.
Als der Winter seinen Griff zuzog, es kälter wurde, die Insekten in ihre Löcher verschwanden und die Hecken die letzten Früchte verloren hatte. Entschied sich der kleine Vogel seinem Schwarm zu folgen.
Es wurde immer kälter, es wurde so kalt, dass der Vogel seine Flügel nicht mehr bewegen konnte und landen musste.
Als er dort so lag und seinem immer schwächer werdenden Herzchen zuhörte, trug es sich zu, dass eine Kuh, die zufällig vorbeikam, just in dem Moment einen Fladen abließ als sie über ihm zum Stehen kam.
Der Fladen war wunderbar warm und gab dem Vogel neue Kraft und neuen Mut. Er streckte sein Köpfchen aus dem Fladen und sang seine Freude aus voller Kehle in die bitterkalte Welt hinaus.
Dieses Singen hörte die Katze, die im Stall, in dem die Kuh ihr zuhause hatte auf der Jagd nach Mäusen war.
Blitzschnell kam sie angesaust, zog den Vogel aus dem Fladen und fraß ihn auf.
Und die Moral von der Geschicht:
„Nicht jeder der auf dich scheißt ist den Feind und nicht jeder, der dich aus der Scheiße zieht dein Freund.“

Was trägst du mit dir?
Zwei Mönche auf Wanderschaft kamen an eine Furt. Diese war durch starken Regen in den letzten Tage nur schwer überquerbar.
Eine schöne, edel gekleidete Frau stand verzweifelt an der Furt. Sie schien schon länger dort zu stehen.
Im gesamten Land waren die Wandermönche dieses Ordens dafür bekannt, sich strikt aus den Angelegenheiten der Anderen herauszuhalten, weshalb die Frau sie nicht um Hilfe bat.
Als die beiden neben ihr an der Furt zum Stehen kamen, nahm sie der eine unvermittelt und ohne eine Wort zu sagen auf die Arme, trug sie über die Furt, setzte sie, immer noch wortlos, ab und ging weiter seines Weges.
Stunden des gemeinsamen Weges später, konnte der andere Mönch nicht mehr an sich halten:
“Warum hast du das getan? Hast nicht auch du geschworen, dich um deine Belange und nur um diese zu kümmern?“
Der Angesprochene sah ihn mit milder Überraschung im Blick an und entgegnete:
„Ich setzte die Frau nach der Furt wieder ab, wie weit du sie jedoch in Gefühl und Gedanke weitertrugst, überrascht mich doch sehr.“
Schweigend setzten sie ihren Weg fort.