
Warum ein Tagebuch führen?
Wozu das eigene Leben dokumentieren – sei es schriftlich, in Videoform, als Audioaufnahme oder auf andere Weise?
Meiner Auffassung nach handelt es sich dabei um ein vielfältiges Werkzeug um die Ausrichtung der eigenen Wahrnehmung und die Reaktionen auf Erfahrungen zu reflektieren.
Ein großes Thema, das Ich selbst hatte und immer wieder bei Menschen beobachte, mit denen ich arbeite ist die Scham. Die Möglichkeit, jemand könnte lesen/ sehen/ hören, was ich geschrieben/ aufgenommen habe. Diese Scham zu überwinden ist die erste Hürde auf dem Weg ehrlich mit sich Selbst die eigenen Muster reflektieren zu können.
Die Frage, die sich mir stellt ist:“ Schäme ich mich vor mir Selbst oder ist es tatsächlich der hypothetische andere, der mich hindert ehrlich zu Schreiben?
Aus meiner Perspektive ist es wichtig konsistent zu schreiben. Am Anfang kann es sich sehr schwer gestalten, überhaupt etwas zu schreiben. Es hat sich für mich bewährt, einen Wecker zu stellen und jeden Gedanken aufzuschreiben, der sich zeigt, bis er klingelt. Wirklich jeden. Auch solche wie, „ich weiß nicht was ich schreiben soll“ oder „was mach ich hier überhaupt?“. Die Intention ist nicht etwas Richtiges zu schreiben. Es geht darum, sich selbst kennenzulernen und daran zu wachsen!
Ideal ist meiner Ansicht nach zweimal täglich für mindestens zehn Minuten zu schreiben.
Morgens um sich auf den Tag einzustimmen und ein Ritual zu haben, das für den Tag erdet und einstimmt.
Abends um zu reflektieren und zu integrieren.
Ich beschreibe ein paar Wege, die ich für mich gefunden habe, um die Gewohnheit der Lebensdokumentation so zu gestalten, dass sie die Möglichkeit hat zu einem ständigen Begleiter und konstruktiven Werkzeug zu werden.
Der Einsatz eines Weckers wie oben beschrieben wäre eine Methode, die anwendbar ist.
Eine andere Möglichkeit ist es, sich gezielt auf einen Bereich zu konzentrieren. Ich empfehle Fragen zu stellen. Wenn ich mir ehrlich eine Frage über mich selbst oder mein Verhalten stelle, die mich interessiert und ich mir diese dann ehrlich beantworte kann das sehr konstruktiv sein.
Hier wären einige Beispiele für Themen in einem Tagebuch zur Selbstreflexion am Abend oder einem zur Einstimmung am morgen.
Fragen für ein reflektierende Tagebuch
- Was habe ich heute gemacht?
- Wann habe ich (Gefühl) empfunden und wieso?
- Wann und warum habe ich heute gelogen/ nicht alles erzählt/ bewusst verschwiegen etc.
- Auf was habe ich heute besonders stark reagiert
- Habe ich die Ziele, die ich für den Tag hatte erreicht
- worauf richtet sich mein Fokus heute
- woran arbeite ich heute
- Ist das, was ich mir für den Tag vorgenommen habe sinnvoll?
- Nochmal kurz auf den Eintrag vom Vortag/ Vorabend eingehen
- Ziele setzen, wie zum Beispiel nicht zu lügen, nicht aggressiv zu reagieren, bewusst zu handeln oder etwas anderes, das viel Energie und Aufmerksamkeit um konsistent durchgezogen zu werden
- heute beobachte Ich wann ich mit (Verhalten/ Emotion) reagiere
Auch Nachrichten an sich selbst zu einem späteren Zeitpunkt schreiben oder dann die schon geschriebenen zu beantworten kann richtig Spaß machen. Einfach ausprobieren.